das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.

Archiv - January 2006

Item Nº 2473

Reminiszenz - Portrait

Lonely Portrait

Item Nº 2472

Webwatching, oder: Schrei nach technischer Kompetenz

Webwatching möchte in Interviews mit Netz-Aktiven und -Beobachtern »Trends der Netzkultur« aufzeigen (via Cem bei vowe). Aber bei allen Göttern des Digitalen, wie kommt man auf die Idee ein solches Unterfangen ausgerechnet in Flash(!) zu realisieren? Kann man Leute als kompetente Beobachter des Netzes ernst nehmen, die offensichtlich elementare Regeln des Publizierens im Netz nicht verstanden haben und technische Nicht-Kompetenz demonstrieren?

Womit ich nichts gegen Flash gesagt haben will, für Magazine wie Mooncruise ist es exakt das richtige technische Mittel. Aber für ein Text-Magazin, das man so auch mit ajaxifiziertem HTML hin bekommen hätte? Wirklich sehr schade!

[Update] Nachdem der Tenor dieses Artikels in vielen weiteren Stimmen einhellig durch die Blogosphäre hallte, wurde eine HTML-Version nachgereicht. Sehr schön!

Item Nº 2470

Googles Lokalisierung in China, oder: Ausflugsbilder statt Panzer

Moe berichtete über die interessanten Auswirkungen der Google-Zensur in China anhand einer Suche nach Tiananmen auf Google.com (Klick öffnet einen Screenshot von mir) und Google.cn (dto.). Weg sind die Panzer, und Schnappschüsse von Ausflügen auf den Platz des Himmlischen Friedens werden gefunden. Zensur, weil sie dem Geschäft dient. Ein gefährlicher Weg, denn so ein Einknicken weckt sicher nicht nur in Diktaturen vom Schlage Chinas gewisse Begehrlichkeiten. Ich schätze, auch ein bekannter Regierungspräsident sieht da interessante Möglichkeiten.

Die .cn-Variante kann man sich nur ürbigens nur anschauen, wenn man in seinem Browser Chinesisch als erste Sprachpräferenz einstellt.

Item Nº 2469

Bluetooth-Fernsteuerung für den Mac: Romeo

Wenn von Fernsteuerung per Bluetooth für Mac OS X die Rede ist, fällt meistens der Name Sailing Clicker. Eine weniger bekannte, freie Alternative dazu ist Romeo. Wenn man nur iTunes fernsteuern möchte, ab und an mal auf Geekveranstaltungen einen Vortrag mit Keynote halten oder auf der OS X-Oberfläche eingeblendet bekommen möchte, wer gerade anruft, wenn in der Tasche das Mobiltelefon klingelt, ist Romeo wahrscheinlich schon ausreichend. Und man kann es über fremde oder eigene Plugins auf simple Art und Weise erweitern, was für alle Applikationen und Aktionen funktioniert, die per AppleScript erreichbar sind (wobei sich die AppleScript-»Programmierung« auf, am Beispiel von Keynote demonstriert, »tell application “KeyNote” / activate / end tell« beschränkt) und für die es Tastaturkommandos gibt, die man dann in einem Dialog von »Romeo« zuordnen kann. Und es gibt eine Liste mit fertigen Plugins, wenn man keine Lust hat, sie sich selbst zusammen zu klicken.

Mit meinem T610 funktioniert Romeo ausgezeichnet, es hat eigentlich alles, was ich für meine bescheidenen Bluetooth-Anforderungen benötige.

Item Nº 2468

Das bin ich!

Zumindest laut PUBLICONS.DE (beta, natürlich). So etwas soll man sich in die notorische Forums-Signatur stellen, damit man gleich weiß, wie verhärmt jemand ist. Oder kann jemand von etwas Ahnung haben, der den FC Bayern oder McDonald gut findet? Eben! Gute Idee also, eine Idee mit Erfolgsaussichten im Zeitalter des grassierenden Online-Exhibitionismus 2.0.

(Gefunden in Martins zeiteisen)

Item Nº 2467

Kein Freund

Und, falls jemand warme Worte zum Rückrundenstart der Bundesliga erwartet: Diese Woche ist mein Freund in keinster Weise aus Leder. Solcherart schönfärberische Einschätzungen kann ich in keinster Weise teilen, sehr bitter, ausgerechnet gegen die unaussprechlichen Bajuwaren in Rot und Weiß daheim zu verlieren…

Nur die Aussicht, dass bei einem Punktgewinn der Lauterer am heutigen Sonntag die Geißbockkicker aus der verbotenen Stadt mit der schmutzigen Bahnhofskirche auf den letzten Tabellenplatz rutschen könnten, wärmt ein wenig das frierende Fußballherz…

Item Nº 2466

Ich, der prinzipienlose Kretin!

Es musste etwas geschehen. Die Zugriffe aus Google-Suchergebnissen, geschuldet der exorbitanten Beliebtheit, die Weblogs nun einmal haben, wenn sie »schöne URLs« mit Stichworten haben, fressen mir die Haare vom Kopf.

Bleiben zwei Alternativen:

Zum einen der Google-Suizid. Aber, ist man nicht in Google, existiert man nicht im Web. Aus der liebevollen Umklammerung der allwissenden Datenkrake gibt es keinen Weg mehr zurück. Und selbstverständlich bin ich auch der Hybris jedes mir bekannten Webloggers verfallen, die davon ausgeht, dass der Content, den man unverlangt und freiwillig ins Netz stellt, für die Mitmenschen so unfassbar wertvoll ist, dass man ihnen das nicht vorenthalten darf. Und sie im Zweifelsfall auch ruhig dafür zahlen können. Eben weil der freiwillig reingestellte Content so furchtbar bedeutsam ist.

Und zum anderen, der letzte Absatz deutet es schon an: Man bleibt in Google und lässt irgendwen zahlen. Und so, getreu dem alten Motto, dass Geschwätz von gestern nur Geschwätz von gestern ist, gibt es ab sofort für Google-Besucher Textads zu sehen. Wenn schon Google-Umarmung, dann richtig. Ich bin gespannt, ob und was dabei rauskommt. Aber ohne es mal ausprobiert zu haben, kann man nicht guten Gewissens Option 1 durchführen. ;-)

So, nun steinigt mich, den prinzipienlosen Kretin!

The Girl meint übrigens, dass die Archivseite noch locker einen Skyscraper mit 10 Ads vertragen könnte. Ist ‘ne Überlegung wert… ;-)

Item Nº 2465

Spiderman in Frankfurt

Spiderman in Frankfurt An der Wand des MMK in Frankfurt hängt Spiderman, Teil der Ausstellung “spinnwebzeit”, die in den heiligen Hallen der bildenden Kunst, dem Museum, Gegenstände präsentiert, die in eBay erworben wurden und mit etablierten Werken der modernen Kunst gemeinsam präsentiert werden.

Die Frage: Macht das Museum den Gegenstand erst interessant? Die Macher führen den Besucher auf das glatte Eis des Kunstverstandes, wenn eine Rose im Kolben aus der Ferne als eBay-Gegenstand eingeschätzt wird, sich beim näheren Hinsehen aber als berühmtes Meisterwerk von Beuys offenbart. Autsch, daneben gelegen.

Noch bis 28. Januar, wer noch nicht da war: Nix wie hin! Und ich verspreche, demnächst frühzeitiger über interessante Ausstellungen zu bloggen. ;-)

Item Nº 2464

Gesellschaft

»Ich habe die Gesellschaft nie verstanden, Ich weiß, daß sie irgendwie funktioniert und ein Fakt ist und daß ihre Realitäten notwendig sind, weil sie uns vor noch schlimmeren Realitäten bewahren. Aber mein Eindruck ist: Jede Menge Polizei und Gefängnisse und Richter und Gesetze; und was mich angeblich schützen soll, macht mich kaputt. Ich weiß, daß ich im Räderwerk nicht gut zu gebrauchen bin, und das Wunder ist, daß ich es schon so lange aushalte.« Charles Bukowski in einem Brief aus dem Jahre 1963(!). Aus dem Buch Schreie vom Balkon, das eine spannende Sammlung von Briefen des kürzlichen Jubilars enthält. Und das einzige Buch ist, dass Ihr im Zuge der publizistischen und sonstigen Aktivitäten nach jenem 85. Geburtstag kaufen müsst.

Item Nº 2463

Werber mit Demokratiedefiziten

Der Demokratiepreis, Ausgabe Januar 2006, geht an Jean-Remy von Matt, der sich fragt, lt. Jens: »Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?« Dem Mann kann geholfen werden, er schaue nach bei Artikel 5, Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik: »Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten [...]« Erstaunlich, wie wenig jemand von den Grundsätzen eben jener freien Gesellschaft hält, in der er dank jener verbürgten Freiheit seine bezahlten Werbebotschaften frei herumtragen darf und dadurch zu Wohlstand und Ansehen kommen konnte. Und das ist kein bedauerlicher Einzelfall, denn vor fast genau einem Jahr wurde sein Agenturkollege Peter Kabel bei Heiko Hebig mit den Worten zitiert: »But it’s no good that every citizen finally has a voice. It’s OK for renowned journalists to raise controversial issues. Knowing that ordinary citizens finally have the same power is not necessarily a good thing.« Scheint eine Berufskrankheit zu sein…

Item Nº 2462

nUbuntu - Network Ubuntu

Eine feine Sache: nUbuntu – Network Ubuntu. nUbuntu ist eine Ubuntu-Version, die als Live-System von CD bootet und auf einem Fluxbox-Desktop alles anbietet, was das Herz derer erwärmt, die sich in Netzwerken bewegen wollen/müssen/sollen. Neben allerlei Security-Werkzeugen findet man auch Firefox, Gaim und Irssi, so dass man sich umgehend mit der Welt verbinden kann und bei seinen »Untersuchungen« (welcher Art auch immer ;-)) nicht so alleine ist. Kühl ausehen tut es auch, finde ich.

Interessanterweise funktioniert die Hardware-Erkennung besser als mit der Original-Ubuntu-Live-CD. Mein Rechner im Büro hat Schwierigkeiten mit der Grafikkarte und startete Ubuntu von der Live-CD nur nach vorherigem manuellen Eingriff in die xorg.conf, nubuntu dagegen startet ohne »Gegenwehr«.

Item Nº 2461

Aus die Maus: Palast der Republik endgültig dem Untergang geweiht!

Aus die Maus! Wenig überraschend hat der Bundestag Anträge von Linkspartei und Grünen abgelehnt, den Abriss des Palastes der Republik aufzuschieben oder ganz abzublasen. Wen interessiert da schon, dass es vor 2020 an der Stelle nix Neues geben wird, also im Grunde überhaupt keine Eile besteht? »Vae victis« (Wehe den Besiegten!), wusste man schon aus der Antike zu berichten. Der Palast muss einfach weg, als Symbol der untergegangenen DDR, als symbolischer Akt, ohne Sinn und Zweck. Adrian Pohr in ZEIT.de: »Abgesehen von den 12 Millionen Euro, die diese neue Baustelle im Herzen Berlins kosten wird, ist der Abriss Vorbote eines noch sehr viel mehr Geld verschlingenden Projekts: dem Wiederaufbau des alten Stadtschlosses. Falls es gebaut wird. Denn wie sparsamer Bund und bankrottes Berlin das fast eine Milliarde Euro teure Projekt finanzieren wollen, ist rätselhaft.« Und man beachte das wirklich schwache Bild, das Bauminister Tiefensee im Zeit-Interview abgibt! Überzeugend ist etwas anderes.

So geht er also demnächst dahin, der Palast. Ein visuelles Denkmal, offen für jedermensch: flickr-Gruppe »Palast der Republik«.

[Nachtrag:] Unbedingt lesen: Andrea im Küchenkabinett: »palast vs. schloß«

Item Nº 2460

Tschöö Bökelberg!

Nun ist es soweit, heute hat der Abriss des ruhmreichen Gladbacher Bökelberg begonnen. Oh Du mein Fußballtempel, Stätte ruhmreicher Siege und elender Grottenkicke, da gehst Du ruhmlos dahin. Traurig bröseln Betonstücke auf Deinen ungemähten Rasen. Und was für eine letzte Demütigung, dass Du von einem Baggerfahrer aus Hoyerswerda mit den Worten »Ich hab’ nichts mit Fußball. Baustelle ist für mich Baustelle.« ruchlos nieder gerissen wirst…

Heute wurde als erstes der Spielertunnel, in dem ich im Oktober noch den Boden geküsst habe, der von den Stollen an den Schuhen Günter Netzers geadelt wurde, eingerissen, damit der Baggerführer aus Hoyerswerda in den Innenraum fahren und sein schlimmes Werk durchführen kann…

Schlimmes Werk auch bei sport.ard.de. Sie würdigen den heutigen Tag zwar mit einer Fotoserie (auf der Seite nach »Bye bye, Bökelberg« suchen, kann man nicht Verlinken, Javascript-Gedöns), aber verlegten fälschlicherweise das legendäre 12:0 gegen Borussia Dortmund und das 5:1 gegen Real Madrid auf den Bökelberg. Beide Spiele fanden aber im Düsseldorfer Rheinstadion statt (beim Spiel gegen Real war ich dabei). Rechercheschlampen! Mal schauen, ob sie das entfernen, als notorischer Querulant habe ich natürlich eine empörte E-Mail geschrieben.

Anlässlich solch’ tragischem Geschehens möchte ich noch einmal auf meine Bildergalerie »Mythos Bökelberg« aufmerksam machen, die ich im Oktober 2005 fotografiert habe.

Item Nº 2459

de/reKONSTRUKTION 06

Wenn ich eines gelernt habe, in diesen fast 4 Jahren, die ich blogge, dann ist es das Erste Gebot derer, deren Namen stets umhergeistern, wenn das Thema Weblogs irgendwo auf der Tagesordnung steht:
Wenn Du etwas machst, veranstalte darum einen Riesenzirkus, feiere auch das Banale ordentlich ab, dann kommen Ruhm und Ehre von ganz alleine…

In diesem Sinne rufe ich nun die de/reKONSTRUKTION 06 aus. Zunächst wird das Netzbuch dekonstruiert, aus seinen Trümmern partial rekonstruiert, und in weiten Teilen neu konstruiert. Ist das nicht konstruktiv?

Item Nº 2458

WM 2006 - Deutschland von Blauhelmen besetzt!

Fußballweltmeisterschaften, verehrte Zielgruppe, die es bereits seit 1930 gibt, sind für alle jene, deren Freund aus Leder ist, große Feste. Man erfreut sich an brasilianischem Sturmwirbel, italienischer Taktikdisziplin, argentinischer Mittelfeldsouveränität, englischem Kick-And-Rush oder deutschem Turniermannschaftsgeist. Man berauscht sich am Wettbewerb der Besten der Welt, dramatische Schlachten auf dem Rasen ereignen sich, bis nach mehreren Wochen Gekicke der Kapitän des neuen Weltmeisters den World Cup in den Himmel reckt.
Ja, so war das einst, eigentlich schon immer. Es kamen einfach die qualifizierten Teams aus aller Welt in das Gastgeberland, buchten ein Quartier, und kickten. Und der Fan, dessen Freund aus Leder war? Der ging einfach in ein beliebiges Fachgeschäft für Sporteintrittskarten und erwarb selbige, sofern noch vorhanden. Einfach, simpel, rund. So wie der Fußball selbst.

Aber jetzt, bei der WM 2006, da ist alles. Die FIFA hat in ihrer schier grenzenlosen Gier alles verhärmt. Karten bekommt man nur in absonderlichen Internet-Auktionen, wobei man aber, inklusive Schuhgröße und Fingerabdruck, alles anzugeben hat, was man so an persönlichen Daten auf Lager hat. Da der Fan an sich aber auch nicht so blöde ist, wie man sich das bei der FIFA vorstellt, kaufte keiner Tickets für die olle Eröffnungsgala, deshalb sagte man sie ab. Immerhin, die FIFA-Herren bewiesen nicht unerhebliches komödiantisches Talent, als sie als Grund der Absage den Rasen im Olympiastadion angaben. Ne ne ne, was haben wir gelacht… Nun suchen sie fieberhaft nach einem Ersatz. Früher war auch das einfacher. Man steckte, so zwei Stunden vor dem Anpfiff des ersten Spiels, ein paar junge Leute in bunte T-Shirts und drückte ihnen Fahnen in die Hand, ließ sie ein bißchen Hüpfen, startete ein paar weiße Tauben und Luftballons und gut war’s mit dem Palaver, was im Grunde doch sowieso keiner sehen will. Muss doch machbar sein, auch in diesen Zeiten?

Und dann nörgeln, so ein FAZ-Zitat eines FIFA-Menschen, auch noch »so ein paar Hanseln« an der Sicherheit der WM-Stadien herum!

Und die Politik? Die sieht Deutschland im Notstand, dieses unser Land, mit seinem hochgerüsteten Polizei-Apparat, ist angeblich nicht in der Lage, die Sicherheit durch die Polizei zu garantieren. Darum profiliert sich der Innenminister als Verfassungsfeind, schreit nach der Bundeswehr zur Unterstützung und weicht damit ständig verbal die sehr bewusst von den legendären »Vätern des Grundgesetzes« eingeführte strike Trennung zwischen Polizei und Armee auf. fukami hat sich damit detailliert beschäftigt.

Diese wird z.B. mit dem Einsatz von Awacs-Luftaufklärern bei der WM (was übrigens auch auf Beifall der Grünen trifft) aufgeweicht. Das große Geheimnis dabei ist die Frage, was das eigentlich soll. Kommen die Hooligans aus Costa Rica oder gar böse böse Terroristen neuerdings mit einer eigenen Luftwaffe an?

Auch amüsant: Deutsche Polizisten dürfen bei der WM keinen 3-Tage-Bart tragen. Es scheint, die Irren haben endgültig das Regiment über Deutschland übernommen.

Da Deutschland offensichtlich zu klein ist, um eine Fußball-WM ohne Sicherheitsprobleme durchführen zu können, schlage ich vor: Jedes qualifizierte Land muss ein Kontingent von 1.000 Polizisten stellen. Diese werden dann unter der Flagge der UN mit blauen Helmen in Deutschland eingesetzt, damit die Herren Schäuble, Schily, Wiefelspütz und Konsorten ruhig schlafen können. Und während die Blauhelme auf Deutschland aufpassen, die Polizisten sich zweimal täglich rasieren, und in der »Arena Auf Schalke« langsam das amerikanische FIFA-Bier ausgeht, kreisen einsam wachend die Awacs über das irre Land, in dem eigentlich nur ein bißchen Fußball gespielt werden sollte…

Item Nº 2457

iTunes + iWeb = iSekte

Nach der Keynote von Steve Jobs, dem großen Heiligen der Apfel-Sekte, wird Apple Microsoft immer ähnlicher. Nicht nur, dass die Rechner nun Virenschleuder-Prozessoren enthalten (okay, vergesst die Polemik, das ist nur eine Abstraktion im Rahmen meiner globalen Argumentation, das hier, mit dem bekloppten Namen, hat definitiv den ultimativen »Haben-Wollen-Faktor« ;-)), auch die Software aus Cupertino legt zunehmend Verhaltensweisen an den Tag, für die Microsoft und Konsorten in der Vergangenheit oft, und das zu Recht, kritisiert wurden.

Da wäre zum einen die skandalöse »iTunes telefoniert nach Hause«-Geschichte. Präzise gesagt, nicht nach Hause, sondern mit einer Domäne 2o7.net, die einer Marketing-Firma(!) names Omniture gehört (siehe since1968.com: Omniture, Apple, iTunes, and Privacy). Wie drückt es Airbag-Blogger Greg Storey 100%ig zutreffend aus: »Apple is starting to tread on grounds they normally blast MS for, lame.«
Richtig ärgerlich ist der Tenor der Reaktionen (exemplarisch: Die Kommentare zu diesem Mac-Essentials-Artikel): »Apple sind die GUTEN!« schreibt dort einer wahrhaftig. Welches Maß an naivem Apologetentum kann man einem (selbstverständlich) gewinnorientiertem Unternehmen entgegenbringen? Damit können wir also festhalten: iTunes ist der würdige Nachfolger des Windows Media Player, denn dessen seinerzeit entdeckte E.T.-Funktion bewegte sich auch nicht in anderen Daten-Dimensionen…

Mit etwas weniger Tragweite für unsere Daten kann man diese Beobachtung, zum anderen, ein weiteres Mal machen: Todd Dominey stellt fest, dass der Quellcode der mit der neuen iWeb-Applikation erstellten Seiten eine große unschöne unsemantische div-Suppe ist (man schaue sich einmal hier den Quellcode an). Und wieder feiern die Sekten-Anhänger in der Kommentarspalte von Mac Essentials ein fröhliches »Alles nicht so schlimm«-Fest, denn es ist ja von Apple, und das sind die Guten…
Über iWeb kann man natürlich erst etwas sagen, wenn man es einmal genauer zwischen Maus und Tastatur hatte, möglicherweise liegt die div-Suppe an einer fehlerhaften Einstellung. Daher behalten wir die Plakette mit »iWeb ist das neue Frontpage« noch ein wenig in der Schublade und warten erst auf weitere Fakten…

Interessant ist übrigens auch, dass die Reaktionen auf die iTunes-Datenübertragung in der englischsprachigen Blogosphäre deutlich harscher und weniger Apfel-Sekte-geprägt waren als im deutschsprachigen Bereich. Ist es im Lande der Payback-Karten sowieso den meisten egal, was mit ihren Daten passiert? (»Ich habe ja sowieso nichts zu verbergen…«)

Item Nº 2456

Moblog-Morgen III

Moblog-Morgen III Bulle und Bär frieren gar sehr. Okay, der ist jetzt mal richtig billig…

[Moblogged von leralle (Original-URL)]

Item Nº 2455

Moblog-Morgen II

Moblog-Morgen II Niemand da!

[Moblogged von leralle (Original-URL)]

Item Nº 2454

Moblog-Morgen I

Moblog-Morgen I Es ist dieses unbestimmte Gefühl, irgendwie übrig geblieben zu sein…

[Moblogged von leralle (Original-URL)]

Item Nº 2453

Aufgeschnappt

In #irssi:
23:41 < danalien> I tried dvorak, it was sticky, really sticky, so sticky it still sticking with me :-)
23:45 < danalien> Caleb: no, but it’s one of those things you pull thru if you really want to achive it. 1st day I typed dvorak it was like I it was the 1st time I’ve ever seen a keyboard :)
23:45 < danalien> -I
23:45 < Caleb> lol
23:47 < danalien> kinda like how geeks are around a pair of breasts, they’ll fumble around without knowing what they push
23:47 < Caleb> i have no problems with breasts
23:47 < Caleb> lol
23:48 < danalien> then you’re not a geek. ;-)

Item Nº 2452

Aus den Zeiten des Spreeblicks

Spreeblick Die Zeiten des Blickens in die Spree sind wieder vorbei, die Jahresendzeittour ist beendet und die Redaktion befindet sich wieder im heimischen Bürohochhaus in Wiesbaden. Hä? Redaktion? Hochhaus? Klar, das macht man jetzt so, Pluralis Majestatis ist im Microcontent-Kosmos der Blogosphäre schwer en vogue. Das machen wir jetzt auch so. ;-)

Silvester trieben wir uns auf den Straßen Berlins herum. Noch nie haben wir so viele Knaller gehört und gesehen. Vom Nachmittag an knallte es in einer Tour, wobei die dumpfe Freude am reproduzierbaren Wunder des Knallens nach unseren empirischen Forschungen korreliert mit der Zugehörigkeit zu gewissen bildungsfernen Schichten, auf den Punkt gebracht: Je Unterschicht, desto laut. Jederzeit rechneten wir damit, dass ein Knaller neben unserem Ohr explodiert, weil die besonders unterschichtigen Unterschichtlicher maximale Satisfaktion erst aus dem Knallen in dicht bevölkerten Menschengruppen gewinnen können …

Vor dem Palast der Republik fand, von zwei Polizeiautos aufmerksam beobachtet, eine kleine Silvesterparty mit Musik und Lightshow statt. Es hätte dort aber voller sein können:

Silvester am Palast der Republik Silvester am Palast der Republik

Überhaupt, Palast der Republik. Eingedenk der Tatsache, dass selbiges Bauwerk demnächst wohl abgerissen wird, veranstalteten wir dort eine ausgiebige Fotosession, dessen Resultate peu à peu an den bekannten Orten zu sehen sein werden. Abgerissen wird der Palast sicher werden, denn es geht nicht um eine rationale städteplanerische Entscheidung, sondern um eine ideologische Abrechnung, wie die Wortwahl »sozialistischer Schandfleck« des CDU-Generalsekretärs Frank Henkel (lt. heute) sehr schön verdeutlicht. Für manch einen sind die ideologischen Kämpfe von damals noch lange nicht vorbei…

Palast der Republik Abbruch statt Aufbau Ost? Symbol Ost und Symbol West

Für die Palast-Bilder gibt es einen eigenen Flickr-Set, der in den nächsten Tagen noch Zuwachs bekommen wird.

Rundlederwelten

Am Neujahrstag ging es in die Rundlederwelten. Ein Ausstellung rund um Fußball und Kunst, noch bis zum 8. Januar im Gropius-Bau zu sehen. Tolle Sache, erstaunliche Werke gibt es da zu sehen, wie den Eckball mit Borussia-Enblem, der tatsächlich an einer Mauerecke klebt, oder die verbotenerweise mit dem Handy fotografierte Heldengalerie der Weltmeisterelf von 1974. Die Helden von einst schauen in bewährter Fußballbildermanier in den Trikots von damals, die Fotos sind aber von heute. Bei manch einem muss man zweimal hinschauen, um ihn wieder zu erkennen.

Danach waren wir durstig wie nach einem harten Spiel, darum stand ein kühler Trunk im FC Magnet auf dem Plan, denn dort gibt es nicht nur kühle Getränke, sondern auch eine Ausstellung mit Fotos des Gladbacher Ballgott Günter Netzer zu sehen. Netzer im ersten Ferrari auf den Straßen Mönchengladbachs, Netzer auf den Rängen des Bökelbergs, usw. Kann man sich anschauen, als Hardcore-Gladbacher, wenn man eh in der Nähe ist. Ist aber auf alle Fälle eine nette Bar, der FC Magnet.

Auf dem Weg dorthin verliefen wir uns ganz kräftig und standen plötzlich an den Überresten der Berliner Mauer in der Bernauer Straße: Die Mauer Dank allzeit bereitem Stativ in der Tasche konnten wir auch dort ein paar Fotos machen. Das Ambiente des ehemaligen Todesstreifens, der auch in seinem Zustand als Gedenkstätte vergangener Zeiten nicht gerade die Aura eines netten Plätzchens für einen lauschigen Spaziergang ausstrahlt, und das feuchte, leicht neblige Wetter schrien laut »Bilder machen«...

Die Mauer Die Mauer Die Mauer Die Mauer Nach so einem düsteren Ort braucht man ein wenig Spass, den hatten wir dann mit Kameras auf dem Bahnsteig der Berliner U-Bahn.

Und zum guten Schluss, damit wir die Tagebuchseite mit Berlin abschließen können, speziell für Herrn andI, das ultimative Old-School-Foto-Konferenz-Blogger-Mützen-Bild, aufgenommen als Selbstportrait auf dem Balkon an der Glasfront des verfallenen Palast der Republik: Auf dem Palast der Republik