das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.

Archiv - July 2006

Item Nº 2594

»Ein Volk steht wieder auf, na toll, bei Aldi brennt noch Licht...«


Stammleser wissen um das Faible des Autors für deutschsprachigen Indie-Rock mit problematisierenden Texten vornehmlich Hamburger Provenienz. Da verwundert es natürlich niemanden, dass der erste Tag von »Das Fest« in Karlsruhe ein Pflichttermin war. Es hatten nämlich die Gitarren das Wort, und niemand anders als Kettcar gab sich die Ehre. Und die Herren um Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff, ihres Zeichens auch die Chefs eines der wenigen Labels, von denen man Platten kaufen kann, ließen sich nicht lumpen und brachten das zahlreich erschienene Publikum zum toben. Sie spielten fast alle Songs vom zweiten Album und ein paar Hits aus alten Zeiten. Erstaunlich, wie textsicher die Karlsruher Massen waren, die Choreinlage am Ende von »Stockhausen, Bill Gates und ich« (von wegen »der gebrochene Daumen von Carlos Santana« ;)) funktionierte hervorragend. Kettcar wurde übrigens nach Marcus’ eigenen Worten eingeladen, weil die Fans von Juli und Silbermond, die letztes Jahr eingeladen waren, zu wenig Bier tranken. ;) Und aus Getränkeverkäufen finanziert sich das »Das Fest«, denn ansonsten ist es umsonst und draußen. Wo kann man schon Bier trinken für einen guten Zweck?

Kettcar: Erik Langer Das Fest 2006: Kettcar Kettcar Kettcar: Reimer Bustorff Das Fest 2006: Kettcar

Danach spielten noch die alten Haudegen von der New Model Army. Ich war weiland nie ein großer Fan von ihnen, aber »Here comes the war« und andere alte Klassiker entbehren, live und äußerst wild vorgetragen, nicht ihres animalischen Reizes…

Das Fest 2006 - New Model Army

Das Fest ist badisch-effizient organisiert, Getränkezufuhr und Leergut-Abfuhr klappt ausgezeichnet. Eine strenge Kontrolle am Eingang verhindert (zu Recht), dass die Kiddies sich mit mitgebrachten brennbaren Getränken die Kante geben und bewahrt damit eine friedliche Atmosphäre. So kann man zwischen den Live-Acts entspannt über das Gelände schlendern und wunderliche Dinge, wie einen Turm aus leeren Desperado-Kästen, bewundern:

Und ewig leuchtet der Desperado-Turm...

Mein persönliches musikalisches Fest-Highlight ist mit Kettcar schon rum. Einen Geheimtipp für die Indie-Gitarren-Fraktion gibt es noch am Sonntag, wenn »Kate Mosh« auf der kleinen Bühne spielen. Ansonsten spielen u.a. noch Seeed (Rap und Hip-Hop ist nun einmal gar nicht mein Ding, werde ich zum »Konzertfotos üben« nutzen ;-)) und Skin, die ehemalige Sängerin von Skunk Anansie. Ihre durchaus goutierbare Musik wird leider durch ihre auf die Dauer exorbitant nervtötende Stimme relativ unhörbar gemacht.
Nun ja, wir werden sehen. Und in Zeiten des Web 2.0 geht es natürlich nicht ohne einen über das ganze Wochenende beständig aktualisierten flickr-Set vom Fest.

Item Nº 2593

Der Messias des offensiven Mittelfelds ist da!

Der Herr auf dem kleinen (in Argentinien gestohlenen ;)) Bild heisst Federico Insúa, ist sechsfacher argentinischer Nationalspieler und wird zukünftig bei Borussia Mönchengladbach die Nummer 10 auf dem Spielfeld tragen. Der Herr ist mit 4 Millionen Euro der teuerste Transfer in der Vereinsgeschichte. Und die Rückennummer 10 ist Programm! Senor Insúa hat die Aufgabe, auf der 10er-Position im offensiven Mittelfeld das insbesondere in Auswärtsspielen geradezu desaströs einfallslose Offensivspiel der Borussia anzutreiben. Ich bin enthusiasmiert und sehr gespannt. Mit dem neuen Trainer Jupp Heynckes und einer offensiv verstärkten Mannschaft sollte der Weg der Borussia weiter nach oben führen.

In zwei Wochen startet übrigens die Bundesliga. Mal schauen, wer dann von den »Spaß-WM-Fußball-Guckern« noch da ist. Denn man weiß, Fußball-Alltag ist kein Klinsi-Fest wie eine WM. Alltag ist, auch mal mit 10 Mann in der Abwehr ein 0:0 in Bielefeld über die Zeit zu retten, und trotzdem zu sagen: Mein Freund ist aus Leder!

Item Nº 2592

Ein Fass namens Powerbook

So ein Apple Powerbook ist ein Fass ohne Boden: Nach dem Akku und der Festplatte hat es nun, kurz vor dem dritten Geburtstag des kleinen Silberlings, das Netzteil erwischt. Es wird heiß und hat einen Wackelkontakt am weißen Gehäuse, außerdem roch es gestern Abend nach dem typischen »Der Lötkolben war zu lange am Transistor«-Aroma und wurde glühend heiß. Da so ein Wackelkontakt das Risiko eines Kurzschlusses beinhaltet, und man nicht ständig mit dem Feuerlöscher im Anschlag neben dem Schreibtisch stehen kann, musste also am heutigen Vormittag ein neues Netzteil organisiert werden. Was bei MKV problemlos klappte. Das Netzteil scheint bei Apple Verbrauchsmaterial zu sein, anders ist der wirklich beeindruckende Vorratsstapel von Netzteilen bei MKV, dekorativ gleich am Eingang platziert, nicht zu erklären.

Apple ist aber lernfähig, die 2006er-Generation ist an den entscheidenden wackelkontaktanfälligen Stellen verbessert worden, das Bildchen zeigt den entscheidenden Unterschied zur 2003er Auflage:

Auch die zweite Bruchstelle, am Stecker mit den dekorativen LED-Ringen, wurde stabilisiert und verbessert. Nun denn, hoffe ich mal, dass das nun der letzte Defekt war.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Arbeit mit Mac OS X lohnt alle Mühen. Ich habe Erfahrung mit OS X, Linux und Windows, in letzter Zeit habe ich eine Website-Produktion mit Windows-Maschinen und eine mit dem Mac gemacht. Es sind Welten, die in Sachen Produktivität, Workflow und nicht zuletzt dem »Look-and-Feel«-Faktor zwischen den beiden Systemen liegen.

Apple-Powerbook-Netzteil Apple 65 W Liebliche Pictogramme Verpackung, offen Das neue teure Stück

Item Nº 2591

Die bittere Traube der Typographie: Comic Sans

Seit sie Vincent Connare 1995 in Diensten von Microsoft entwarf ist sie ein Hassobjekt aller, die irgendwie mit Design zu tun haben, aber nichtsdestotrotz beliebt bei Jung und Alt. Ob Speisekarte, Einladung zum Kindergeburtstag oder Aufruf zur Betriebsversammlung des Betriebsrats: Die Schrift »Comic Sans MS« ist allgegenwärtig. Ursprünglich einmal für den grandiosen Fehlschlag einer Benutzeroberfläche namens »Bob« entwickelt, war sie schnell erste Wahl bei allen PC-Gestaltern, wenn etwas infantil oder gar lustig wirken sollte. Der Design Observer beleuchtet die unterschiedlichen Reaktionen von Gestaltern und Laien in Sachen Comic Sans. Schrift-Designer Vincent Connare rechtfertigt sich dafür im Netz, eine flickr-Gruppe legt vielfältiges Zeugnis vom mannigfaltigen Gebrauch der grausigen Schrift ab, und das Internet wäre nicht das Internet, wenn sich nicht irgendeine Gruppe von Leuten zu einer Aktion hinreißen lassen würde: »ban comic sans«. Aber man kann ihr sowieso nicht mehr entrinnen, egal ob im Obstregal oder am schwarzen Brett, und auf manchen »spaßig« gestalteten Websites und Blogs, sie ist überall. Manchmal schleicht sie sich sogar über ein fieses span einfach irgendwo ein, wo sie nie vorher zu sehen war… ;-)

Item Nº 2590

Es ist Sonntag und Ihr habt ein Recht auf ein Eidechsenbild

Item Nº 2588

Zeigt her eure Mac-Apps...

Immer wieder beliebt: Sachen zeigen im Web. Manche Leute zeigen ihre Sachen in Flickr, Mac-Nerds eher in Ihrem Blog. Ich beschränke mich auf Letzteres… ;-)

»Todos« ist nicht etwa ein weiteres GTD-Tool für den mac, sondern ein kleines Open-Source-Programm für Mac OS X, was ein Fenster mit allen Symbolen von installierten Programmen erzeugt, die es finden kann (via The Apple Blog). Im Vergleich zu den anderen Screenshots bin ich eigentlich harmlos, die ersten Reihen sind nur Werkzeuge des Systems und der Entwicklungstools. Was sicher daran liegt, dass kürzlich eine Neuinstallation fällig war.

Item Nº 2587

Zerstörte Fußballhistorie in Karlsruhe: Der Engländerplatz

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Auf dem Engländerplatz in Karlsruhe wird durch den Neubau einer Mensa ein historischer Bolzplatz zerstört! 1889 war dieser Platz einer der ersten Orte in Deutschland, auf dem das »englische Spiel«, Fußball, gespielt wurde, folgerichtig heisst er seit 1913 »Engländerplatz«.

1899 gab es hier sogar vor 1.500 Zuschauern das dritte Länderspiel der deutschen Fußball-Geschichte auf heimischen Boden, als eine deutsche Mannschaft gegen eine englische Profi-Auswahl antrat und mit 0:7 unterlag. Kurios: Der Veranstalter Walther Bensemann fungierte auch als Schiedsrichter.

Item Nº 2586

»On vit ensemble, on meurt ensemble«

Ist das Motto der Equipe Tricolor, schreibt der Kicker. Ich hätte den Blauen aus Frankreich den Titel gegönnt. Wenn ich Typen wie den Italiener Buffon auf dem Platz sehe, denke ich stets: »Na, was haben wir denn heute bei den Buchmachern vom Balkan gesetzt …« Fußball ist mitunter sehr ungerecht…

Aber Zizou, Zizou, was hast Du nur getan? Das Italiener stets den Gegner provozieren, ist altbekannt. Zidane hätte sich an die uralte Weisheit für solche Situationen erinnern sollen, die da lautet: »Nummer merken und umhauen«. Aus dem Spiel heraus, versteht sich, man kann da wunderbar so tun, als würde man an den Ball wollen, und geschickt einen sehr schmerzhaften Tritt in die Ferse landen. Und kassiert dann höchstens Gelb. Aber so? Der Jähzorn ist ein schlechter Berater. Zum Thema Zidane auch ganz großartig Ullrich Fichtner auf SpOn: »Ein Engel in der Hölle.«

Zidane hätte gar nicht Rot sehen dürfen, denn es gibt so manches Zeichen, dass beim Finale »durch die Hintertür« der TV-Beweis eingeführt wurde. Und das wäre irregulär. Übrigens, der vierte Schiri war just jener Luis Medina Cantalejo, der als Schiri im Spiel der Italiener gegen Australien den lustigen Elfmeter für Italien gegeben hat. Klar, alles Zufall…

Apropos »Hintertür« und »54 74 90 2010«: Die WM 2010 soll bekanntlich in Südafrika statt finden. Nun gibt es aber gewisse Anzeichen, dass Südafrika nicht in der Lage sein könnte, das Niveau an Reibach und Luxus zu liefern, dass die hohen Herren der FIFA von einer WM im allgemeinen erwarten. Das heisst, nach der nächsten FIFA-Präsidentenwahl 2007 wird man hastig nach einem Land suchen, das mal eben kurzfristig als Ausrichter einer WM einspringen kann. Und wer hat Erfahrung damit und ein ganzes Land voller luxoriöser Stadien? Deutschland natürlich! Schöne Theorie, unterstützt von 11 Freunde, die aber die USA im Vorteil sehen. Aber noch eine WM in Deutschland wäre gar nicht verkehrt, denn eines ist klar: Der Deutschen Freund ist aus Leder.

Item Nº 2585

54 74 90 2010

Das war sie also, die Fußball-WM 2006. Heute abend wird Frankreich durch einen Freistoß von Zidane zum zweiten Mal nach 1998 Fußball-Weltmeister. Gut, nicht ganz nach meinen Prognosen, aber die »älteren Herren« aus Frankreich hatte wahrlich niemand auf der Rechnung. Ansonsten waren die Prognosen aber so falsch nicht! ;-)

Deutsches Auto

Und das deutsche Team? Ganz großartig, einfach großartig! Man reibt sich verwundert die Augen, was los ist. Spiele der deutschen Mannschaft waren die unterhaltsamen. Keine »deutsche Tugenden«, sondern Spielwitz, aggressives Mittelfeld-Spiel und blitzschnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff werden praktiziert. Der seit Jahrzehnten übliche typische »Länderspiel-Trab« durch die Breite des Mittelfelds hat ausgedient. Und sogar Olli Kahn kommt plötzlich menschlich-sympathisch rüber, Kreti und Pleti interessieren sich neuerdings für Fußball – schon atemberaubend, was Klinsmann und seine Mannen ausgelöst haben. Ich ziehe meinen Hut vor Jürgen Klinsmann und dem deutschen Team, das war weltmeisterlich!

Und, neuerdings hat das deutsche Team sogar Perspektive, junge deutsche Spieler, die noch locker zwei oder drei weitere WM-Turniere spielen können. Das sollte in der Liga ein Zeichen setzen: Geduld mit deutschen Nachwuchskickern ist vielversprechender als ständig irgendwo in der Welt vermeintliche Stars einzukaufen – vielleicht kommen die Gladbachs und Herthas und Wolfsburgs (und wie sie alle heißen) dieser Liga auch einmal darauf…

Nun schaut die Nation gebannt auf die Entscheidung von Jürgen Klinsmann. Ich glaube, dass er aufhören wird. Das war ein Projekt, die WM im eigenen Land. Bald kommt der Alltag, mühsame Unentschieden in der EM-Quali gegen Irland und solche Dinge, da verblasst der Glanz und die Kritikaster-Funktionäre sowie altkluge Alt-Nationalspieler (ganz schlimm, der schlimmste: Paul Breitner, ich bin für lebenslanges TV-Verbot) bekommen wieder Oberwasser.
Und dann kommen Sammer (der neuerdings vor lauter Gier auf DFB-Ämter handzahm gegenüber Journalisten geworden ist, unglaublich), Hitzfeld (der schon bei Bayern seinen Hang zu uninspiriertem Langweiler-Fußball nachdrücklich unter Beweis gestellt hat) oder gar Daum aka Der Lautsprecher, und vorbei ist die Herrlichkeit. Darum müssen wir nun alle hoffen, das Klinsi doch noch Lust bekommt, denn, wie Dirk mathematisch belegt, 2010 wird Deutschland zwingend Weltmeister.

So blicken wir also zufrieden auf diese Weltmeisterschaft und freuen uns, dass nach diesen vier Wochen immer mehr von sich sagen können: Mein Freund ist aus Leder.

Item Nº 2584

Debian vs. Ubuntu

Debian ist bekanntlich »der Felsen, auf den Ubuntu erbaut wurde«. Aber, die Popularität von Ubuntu stößt so manchem Debian-Urgestein sauer auf. Debian-Paketpacker »Madduck« hat einmal alles zusammen getragen, was Debian-Menschen an Ubuntu stört. Der einzige Punkt, den ich nicht unter »leichten Anflug von Neid« einreihen würde, ist der mit der Rücklieferung von Patches durch die Ubuntu-Paketmeister an die Debian-Paketpacker. Wer in diesem Punkt Recht hat, ist schwer zu beurteilen, ohne sich das en detail anzuschauen.

Madducks Liste hat natürlich eine Reaktion auf Ubuntu-Seite provoziert, die aber, ganz Ubuntu-like, sehr gemäßigt ausfällt.

Wie hängen Debian und Ubuntu eigentlich zusammen? Das kann man auf der Ubuntu-Site nachlesen, kurz zusammen gefasst: Wann immer, nach einem Ubuntu-Release, die Arbeit am nächsten Ubuntu-Release beginnt, nehmen die Ubuntu-Menschen einen Snapshot der Debian-Development-Pakete und bauen darauf ihre eigene Ubuntu-Paketstruktur auf, die dann irgendwann zum nächsten Release wird. Der Weg, den ein Paket vom eigentlichen Entwickler (denn die Software wird ja nicht »bei Debian« entwickelt, sondern nur für das apt-System zusammen gepackt) hin zum Release nimmt, ist bei Ubuntu dadurch deutlich schneller als bei Debian. Und deshalb benutzen die Leute da draußen lieber Ubuntu. Und damit haben einige Debian-Paketpacker ein Problem.

Letztendlich tut sich das Debian-Projekt mit solchen Beiträgen keinen Gefallen.
Die GPL ist eindeutig: Ubuntu dürfte die Debian-Pakete einfach nehmen, was draus machen, und bräuchte sich gar nicht weiter um einen Rückfluß an Informationen und Patches an Debian kümmern.
Und, die Realität ist: Debian-Releases sind sehr stabil, aber bereits am Release-Tag veraltet. Wenn ich sehe, das Debian Sarge noch stets kein PHP5 im Repository hat, und daran denke, wie viele Leute da draußen deshalb Backports aus obskuren Quellen benutzen oder, mit gesundem Halbwissen ausgestattet, PHP selbst kompilieren, führt die Realität den Stabilitäts-Fetisch von Debian ad absurdum.

Und, auch ein wichtiger Punkt, die »Community«. Irgendwo im Ubuntu-Land bekommt man in der Regel eine freundliche und hilfreiche Antwort, der Debian-Paket-Betreuer an sich aber wird sich alle Mühe geben, dem Fragenden ein RTFM an den Kopf zu werfen und ihm das Gefühl zu geben, ein »Klein-Doofi« zu sein. Das ist sein gutes Recht, aber auch deshalb ist Ubuntu erfolgreich.

Bei mir sind noch stets die Server mit Debian ausgestattet, aber der nächste, der aufzusetzen sein wird, wird ein Ubuntu-Server bekommen. Und auf dem Desktop ist Debian sowieso keine Option.

Item Nº 2583

Und das Letzte was er las ...

... bevor sein Formel-1-Auto heftig in die Leitschiene einschlug, war:
»Allgemeine Schutzverletzung in Modul Lenkung…«

F1Total:

»Die FIA hat nach der heutigen Sitzung des World Councils in Paris bekannt gegeben, dass das amerikanische Softwareunternehmen ‘Microsoft’ den Zuschlag für die Herstellung einer einheitlichen Formel-1-Elektronik für alle Teams von 2008 bis 2010 bekommen hat.«

Item Nº 2582

Die »Unswitcher« und der große gelbe Vogel

(Meines Wissens) unbemerkt von der normalerweise alles Mac-Bezogene pedantisch sezierenden deutschsprachigen Mac-Blog-Szene hat sich in der internationalen Blog-Szene eine kleine Debatte um das »Switchen« weg vom Mac hin zu Ubuntu entwickelt.

Es begann alles mit einem Beitrag von Mark Pilgrim, in dem er in seiner unnachahmlich polarisierenden Art den Wechsel vom Mac zu Ubuntu verkündet. Und das nach was-weiß-ich-wievielen Jahre als Mac-User. Grund: Die Plattform Mac OS X ist ihm nicht frei (im Sinne von Freier Software) genug (Zitat):

»Mac OS X was ‘free enough’ to keep me using something that was not in my long-term best interest. But as I stood in the Apple store last weekend and drooled over the beautiful, beautiful hardware, all I could think was how much work it would take to twiddle with the default settings, install third-party software, and hide all the commercial tie-ins so I could pretend I was in control of my own computer. Beauty is in the eye of the beholder, and to my eye Apple isn’t beautiful anymore. I’ve worked around it or ignored it for a long time, but eventually the bough breaks.«

John Gruber zerlegte gewohnt wortreich Marks Argumente. Kurz darauf bloggte Cory Doctorow in »Boing Boing« ein identisches Ansinnen, worauf Jason Kottke meinte:

»If I were Apple, I’d be worried about this. [...] Nerds are a small demographic, but they can also be the canary in the coal mine with stuff like this.«

Tim O’Reilly griff im »O’Reilly Radar« das Thema als nächstes auf. Und schon war, ob dieser Blogosphären-Schwergewichte, die Debatte vom Zaun gebrochen, spätestens als es eine Slashdot-Story wurde.

Rui Carmo, Autor von »The Tao Of Mac«, wähnt Tim O’Reilly von kommerziellen Interessen in Sachen Ubuntu motiviert und Cory Doctorow auf einem reinen »Me too«-Trip:

»The difference between Mark Pilgrim and Cory Doctorow where it regards switching from Mac OS X to Ubuntu is that Mark made an informed decision, whereas Cory will just be the loudest ‘me too’ parroting his beliefs from one of the most absurdly popular sites on the Internet.«

Und weil das so ist, liefert Rui gleich das passende T-Shirt-Design zur Debatte (Sorry, I had to steal this):

Und was machen wir nun aus dieser Debatte? Mark Pilgrim hat bereits eine »Software-Essentials«-Liste für den Switcher erstellt. Gibt es eine Gefahr für den Mac durch Ubuntu? Erstaunlich ist übrigens, dass fast überall von Ubuntu gesprochen wird, nicht von Linux.

Worum es eigentlich geht, ist die Sicherheit unserer Daten. Werde ich in, sagen wir, 5 Jahren noch das ganze Ordnungszeug von iPhoto in irgendeiner Form auslesen und benutzen können? Was ist, wenn ein Mac dann schon ein von der DRM-Knute geschütteltes Monstrum geworden ist, das man nicht mehr benutzen möchte?

Durchaus valide Fragestellungen (vgl. dazu noch einmal Rui Carmo). Ich habe hier auf meinem Notebook diverse lange Arbeiten von mir aus den 90er Jahren, die in Word für DOS geschrieben wurden. Angenommen, ich würde diese jetzt gerne noch einmal so ausdrucken wollen wie damals, oder überhaupt nur die Texte anschauen, was mache ich dann?

Die Antwort auf Fragestellungen dieser Art könnte »Open Source« heißen. Andererseits hilft das auch nur theoretisch. Wenn ich meine Musik in amaroK statt in iTunes organisiere, stecken die Metadaten halt in irgendeiner amaroK-Struktur statt in der iTunes-Datenbank. Da amaroK Freie Software ist, könnte ich mir theoretisch die Datenstrukturen anschauen und alles in was-auch-immer konvertieren, meine Daten wären sicherer. Praktisch ist das aber für 99% aller Anwender keine Lösung, da sie nicht gut genug Programmieren können, um die Datenstrukturen von amaroK zu verstehen und auslesen zu können. Ergo macht es für sie überhaupt keinen Unterschied, ob die Meta-Daten ihrer Musik in amaroK-eigenen oder im iTunes-eigenen Format gefangen sind.

Man darf auf den weiteren Verlauf dieser Debatte gespannt sein!

[Update 9.7.06]

Item Nº 2581

Zweiter Webmontag in der Fächerstadt

Am letzten Montag (3.7.2006) gab es den zweiten Web-Montag in Karlsruhe. Der zweite Anlauf fand auf Initiative von Johannes in den Räumen des Kulturvereins Kubik statt. WLAN, kühles Grape, »loungige« Atmosphäre und sogar ein Beamer – das war eine gute Wahl, Danke an Kubik!

Zwei Vorträge gab es zu bewundern: Johannes plauderte ein wenig über die Erfahrungen mit Social-Software-Tools in Unternehmen, die er im Rahmen seiner Diplomarbeit machen konnte. Das deckte sich weitestgehend mit meinen Erfahrungen aus den Abgründen der »Corporate IT«.

Und Eric gab eine kleine aber feine Einführung in Mikroformate. Sehr schön, bisher fehlte mir die Lust, mich damit tiefer zu beschäftigen, nun habe ich einen Eindruck. Letztendlich sind auch Mikroformate nur Bits und Bytes. ;-)

Fazit: Etwas weniger gut besucht als die erste Auflage, hat der Web-Montag in Karlsruhe aber trotzdem eine gute Chance, sich zu etablieren. Im Web-Montags-Wiki findet man Links zu Bildern und weiteren Blog-Beiträgen. Und natürlich laufen bereits die Planungen zur nächsten Auflage.

Item Nº 2580

Fußball ist noch viel ungerechter als das Leben

Ist das bitter – ausgerechnet gegen die faschistoide Zockertruppe auszuscheiden. Jedem Team würde ich den WM-Titel gönnen – aber nicht der azurblauen Schwadron. Wohlgemerkt, ich meine hier die italienischen Kicker, nicht die Italiener an sich. Schließlich bin ich schon seit Jahren Anhänger der roten Formel1-Autos aus Maranello. Solche Gutmenschen-Relativierungen muss man heutzutage leider immer deutlich dazu sagen, damit es einem nicht ergeht wie kürzlich dem großmäuligen SpOn-Idol aller Hobbyläufer, Achim Achilles…

Dass der zweitbeste italienische Torjäger Cristiano Lucarelli nicht für das Nationalteam nominiert wurde, weil Lucarelli und sein Klub Livorno als »zu links« charakterisiert wurden, Spieler von Rom, trotz der dort grassierenden Sitte, das Publikum mit gestreckten rechten Arm zu grüßen, aber durchaus – das spricht Bände über die Zustände im italienischen Fußball. Mir fällt es da ausgesprochen schwer, rein sportliche Kriterien anzulegen. Und in Deutschland (und auch sonst in kaum einem Team) stände mit Sicherheit kein Keeper im Kasten, der bereits zugegeben hat, 1,6 Millionen Euro bei Sportwetten gezockt zu haben…

Wer hier jetzt »schlechter Verlierer« raunt: Meine Antipathie gegen die italienische Elf habe ich bereits in der Vorrunde deutlich geäußert, als ob ihrer grottigen Kickerei niemand etwas von Endspiel für Italien ahnen konnte. Dem bleibe ich selbstverständlich auch nach dem Halbfinale treu. ;-)

Aber natürlich konnte jeder Kundige sehen, dass die deutsche Elf ihr Ausscheiden keinem dunklen Schicksal zu verdanken hat. Trotz druckvollem Mittelfeldspiel fand »deutscher Angriff« praktisch nicht statt. Klose sah keinen Ball, Podolskis Chancen waren an einer Hand abzuzählen, und wenn dann noch Mittelfeldspieler wie Schneider größte Chancen daneben hauen – dann wird das halt nix. Bei diesem unnötig verursachten Eckball kurz vor Schluß schwante mir bereits das Böse, was dann auch eintraf…

Was soll’s, kann passieren, Verlieren gehört zum Spiel mit dem runden Leder wie der grüne Rasen. Und aus der Bundesliga wissen wir ja, dass am Ende nur selten »die Guten« die sind, die grinsend mit den Trophäen in der Hand rumstehen. Am 11. August startet die Bundesliga, nach dem Spiel ist noch stets vor dem Spiel, und natürlich gilt auch nach einem solch’ grausigen Abend: Mein Freund ist aus Leder!