das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.

Item Nº 1453

Das Zeitalter der Suchtsucht

Eine angeblich neue Zivilisationskrankheit ist die Internetsucht, es wurde wirklich Zeit einen Verein zu gründen: mediarisk international. Erste Artikel über die sogenannte "Internetsucht" gab es übrigens bereits 1996, ich muß mal mein Archiv durchwühlen.

Die schlimmste Sucht unserer Zeit ist aber eher die "Suchtsucht", ich leide wahrscheinlich an Internet-, Fußball-, Zeitungs-, Frauen-, Nikotin-, Fotografier-, Redesign- und Büchersucht. Letzteres z.B. zeitigt eindeutige Krankheitsbilder, obwohl ich genau weiß dass in der früh der Wecker klingelt und der Volkswirtschaft durch meine Müdigkeit gravierende Nachteile entstehen, lese ich einfach weiter bis mir die Augen zufallen. Wenn das nicht krankhaft ist! Heute ist alles Sucht, Krankheit und überhaupt, und muß umgehend behandelt werden.

Übrigens hat der "Medienrisiko-Verein" auch ein Forum und eine Onlineberatung, das ist, einmal vorausgesetzt man nimmt die sogenannte "Internetsucht" ernst, genauso sinnvoll wie eine Tagung der anonymen Alkoholiker in einer Kneipe ...

(Via Blogosfear)

  1. ja, dieser suchthype ist ekelhaft. aber so gibt man den leuten wenigstens eine verschlagwortung für ihr abseitiges verhalten.
    misanthrop    22.04.04    #
  2. Und eine Entschuldigung: Ich kann nix dafür, die Sucht. Ich bin krank, kein verhärmter Faulpelz der lieber Weblogs liest als das Geschirr spült. ;-)
    Ralf    22.04.04    #
  3. Und da Sucht Krankheit ist, gibts immer mehr Krankheiten, wenn`s immer mehr Süchte gibt - und wen freut das? Na die, die Pillen bauen gegen Krankheiten... Und bald haben wirs ganz einfach: der, der behauptet, an keiner Sucht zu leiden, leidet an der Schlimmsten - der Nichtsuchtsucht!
    Boris    23.04.04    #
  4. Da hat einer doch etwas falsch verstanden. Die Organisation mediarisk international lockt nicht die Leute in das Internet und lädt sie dort zum Verweilen ein. Doch wo trifft man die Betroffenen? Im Internet! Die Nutzung dieses Mediums ist absolut zeitgerecht und keinesfalls per se verwerflich. Und - viel besser als bei der Alkoholsucht: Man kann sein Surfverhalten auf ein gesundes Maß reduzieren. Meidet Chatrooms und habt richtige Freunde!!
    Rainer    15.05.04    #
  5. Rainer, Du hast meinen Beitrag falsch verstanden. ;-) So etwas wie "Internet-Sucht" existiert nicht. Wie schon im Artikel angedeutet, bereits 1996 wollte sich jemand damit profilieren, auch acht Jahre später ist das nicht plausibler. Im Gegenteil, es ist eine Verharmlosung von Alkohol- und Drogensucht und ihrer schwerwiegenden medizinischen und sozialen Konsequenzen. Jemand, der seine sozialen Kontakte ausschließlich über das Internet pflegt, ist nicht "süchtig", sondern das Phänomen ist ein Ausdruck (nicht die Ursache!) eines altbekannten soziologischen Phänomens, nämlich die Tendenz zur sozialen Isolierung in ausdifferenzierten Industriegesellschaften. Bestenfalls könnte man von einer neuen Form des Eskapismus sprechen. Das hat es schon immer gegeben (gibt es auch "Modelleisenbahn-Sucht"?), und ist nichts Neues. Jemand, der selbst oder in seiner Familie von einer Alkohol- oder Drogensucht betroffen ist, muß sich (auf deutsch gesagt) verarscht verkommen, wenn ein paar Typen, die entschieden haben nur noch Online zu kommunizieren und vergessen haben wie man das System herunter fährt, sich als "süchtig" bezeichnen und damit beginnen, absurde Selbsthilfegruppen zu initiieren. Ich denke, nun ist meine Ansicht zu dem Thema klar und deutlich.
    Ralf    16.05.04    #
  6. Hallo Ralf, es ist schon sehr schade, dass Du hier Dein Vorurteil auch noch laut ausposaunst, und das ohne Dir wenigstens die Mühe zu machen, Dich auf unseren Internetseiten mit dem Problem der Onlinesucht auseinanderzusetzen. Ich denke, Dir wird nach dem Lesen einiger Bekenntnisse, die Du dort findest, nach einigen Beiträgen in den Foren vielleicht endlich bewusst, dass hier keinesfalls jemand eine Sucht "erfunden" hat, sondern dass inzwischen mehr als 1 Mio Menschen unter den Folgen von Internetsucht (Mediensucht) massiv leiden! Es ist eine stoffungebundene Sucht, ähnlich wie Essucht oder Glückspielsucht, die Du also nicht mit der Alkohol- oder Drogensucht unbedingt vergleichen kannst. Das aber sagt nicht aus, dass es diese Sucht nicht gibt, oder glaubst Du, die Betroffenen haben alle einen Hau? Genau Deine Worte sind es, die Betroffenen jeglichen Mut nehmen, mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen, um endlich auch die Gesellschaft und Menschen wie Dich davon zu überzeugen, dass wir es hier mit einem echten Problem, einer Krankheit, zu tun haben. Internationale wissenschaftliche Studien belegen dies längst, was Du hier immer noch vehement abstreitest! Ich selbst berate seit vielen Jahren Betroffene und deren Angehörige, im übrigen ehrenamtlich und ohne an einer Profilneurose zu leiden, das nur am Rande. Meinst Du nicht, dass ich (und viele andere Berater) meine Zeit nicht sinnvoller verbringen könnte, wenn es diese Mediensucht nicht gäbe? Menschen gegenüber, die ein Problem haben, von dem DU vielleicht noch nicht hörtest, ein bisschen mehr Toleranz entgegenzubringen und Dich erst einmal mit dem Thema auseinanderzusetzen, Ralf, bevor Du sie verhöhnst, wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung! Gabriele Farke
    Gaby    16.05.04    #
  7. Gaby, wer sich öffentlich äußert, muß damit leben, dass es Menschen gibt, die eine andere Meinung haben und diese auch äußern. Das gilt für mich (hier kann man seine Gegenrede sogar gleich neben dem Artikel deponieren), aber auch für Euch. Das Du mir jetzt gleich die moralische Betroffenheitskeule um die Ohren haust, ist irgendwie bezeichnend, denn nun kann jede Gegenrede von mir nur noch im "Dieser herzlose Kretin, hat kein Verständnis für die armen Menschen"-Kontext wirken, sprich, es ist ein "Totschlag-Argument". Ich bestreite ja nicht, dass es Menschen gibt deren Medienkonsum ungesunde Ausmaße annimmt, aber diese Erscheinung unserer Zeit, originär soziale Phänomene mit einem klinischen Etikett als "-Syndrom" oder "-Sucht" zu bezeichnen, und umgehend öffentlichen Alarmismus zu verbreiten, geht mir gewaltig auf die Nerven. Man müsste fragen, welche gesellschaftlichen Aspekte denn dazu führen, dass Menschen ihre sozialen Bedürfnisse in Medien befriedigen. Die Anforderung an den "dynamischen Menschen", mobil und allzeit bereit überall jederzeit Arbeiten zu können, zerstört natürlich auf die Dauer jegliche familiäre und freundschaftliche Bindungen. Was bleibt, sind die Medien, die nimmt man mit. Das ist eine gesellschaftliche Fehlentwicklung. Deklariert man diese als Krankheit, reduziert man sie auf ein persönliches Problem des Betroffenen, ergo gibt es keinen gesellschaftlichen Handlungsbedarf. Okay, das war jetzt ein wenig vulgär-soziologisch, aber ein Kommentar ist ja keine Doktorarbeit. ;-) Übrigens, wie bereits mehrfach wiederholt. ich habe mich mit dem Thema bereits 1996 auseinander gesetzt und es abgehakt, Ihr seid da ein bißchen spät dran. Dieses "Wiedergängertum" mancher Themen ist wirklich erstaunlich!
    Ralf    16.05.04    #

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