das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.
E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.
Spiegel Online: »Die Axel Springer AG und der SPIEGEL-Verlag kehren in ihren Print- und Online-Publikationen zur klassischen deutschen Rechtschreibung zurück. Gleichzeitig richten die Verlage einen Appell an andere Medienunternehmen sowie an die Nachrichtenagenturen, sich diesem Schritt anzuschließen.« Das ist skandalös, seit wann bestimmen in diesem unseren Lande solche Dinge Medienkonzerne mit ihrer publizistischen und finanziellen Macht? Genauso gut könnten die Arbeitslosen beschließen, die Hartz IV-”Reform” zu ignorieren und zur alten Regelung zurück zu kehren.
In eigener Sache: Die Netzbuch AG gibt bekannt, so lange keine Publikationen der Axel Springer AG und des Spiegel Verlags mehr käuflich zu erwerben oder publizistisch zu würdigen, bis diese öffentlich verkünden, sich wieder an in demokratischen Gemeinwesen übliche Gepflogenheiten zu halten.
Dass die Reform zu Verunsicherungen und Fehlern führt, ist unbestritten. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es jeder “drauf” hat. Nach Jahren nun die Reform kippen zu wollen, ist grotesk. Was ist mit Österreich und der Schweiz? Den Kindern, die bereits in der neuen Schreibweise unterrichtet wurden? Tonnenweise Schulbüchern?
Eine Rücknahme der Reform kann nur Chaos produzieren, und zwar ein richtiges Chaos. Das Thema ist seit Jahren durch, und wir sollten einfach damit leben, und uns davor hüten, uns aus populistischen Motiven vor den propagandistischen Karren machtgeiler Medienkonzerne spannen zu lassen.
# | 6.08.04 | | Abgelegt unter Welt als solche
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Danke
— bwolf 6.08.04 #
Warum sollten wir uns von geldschweren Schwätzern drangsalieren lassen?
Die meisten, die die NR ablehnen, tun das meiner Erfahrung gemäß, weil sie nicht einmal imstande sind, die Unterschiede zur AR zu identifizieren – denn dazu müssten sie die AR beherrscht haben…
— Boris 6.08.04 #
— Der Schockwellenreiter 6.08.04 #
Wenn euch daß nich paßt könnt ihr genausogut das recht in anspruch nehmen, die angebotenen produkte nichtmehr zu kaufen.
Mit welchem recht wurde denn diese unüberlegte “reform” überhaupt angestoßen? Über die köpfe der bürger hinweg. Mit welchem recht wurde denn die alte rechtschreibung abgeschafft, statt auf dauer beides zuzulassen? Und wenn ihr euch mal fragt, wer davon wirklich profitiert hat (und ja wohl auch maßgeblich dafür verantwortlich war das ganze anzuzetteln) dann werdet ihr auf einen ganz anderen medienkonzern kommen: den dudenverlag. Wenn der markt gesättigt ist, muß man ihn halt so umkrempeln, daß man wieder einen ausreichend hohen bedarf schafft.
Klar, für eine bestimmte altersgruppe wäre das blöd, alles rückgängig zu machen, weil sie nur das neue kennen. Aber wieviel prozent der bevölkerung sind das denn? Bestimmt nicht die mehrheit.
Ich kann zu der entscheidung nur sagen: richtig so. Warumm sollten wir uns von schwachsinnigen reformen drangsalieren lassen, wenn wir sie einfach ignorieren können.
— Mark 6.08.04 #
— Onno 6.08.04 #
— Murphy 7.08.04 #
— Gerrit 7.08.04 #
Nur, wer nicht erkennt, dass es bei Springer und Spiegel nicht nur um die Rechtschreibung geht, sondern die mal checken wollen, was sie mit ihrer publizistischen Macht denn alles so erreichen könnten, wenn sie nur wollten, muß schon wirklich ziemlich naiv sein. Daher finde ich es bedenklich, aus einem populistischen Affekt gegen die neue Rechtschreibung heraus solchem Vorgehen Beifall zu klatschen.
— Ralf 7.08.04 #
In meinem Umfeld kenne ich keinen, der die neue Rechtschreibung freiwillig benutzt, und die, die aus beruflichen Gründen darauf angewiesen sind, benutzen sie auch nur widerwillig.
Wenn die neuen Regeln irgendwelche Vorteile gegenüber den alten hätten, würde ich sie ohne weiteres benutzen, aber stattdessen sprengen sie nur die bei mir vorhandene Symbiose aus gedachtem und geschriebenem Wort – völlig unnötigerweise.
Weiter: Wort und Schrift spiegeln mein Denken wieder, und da soll ich mir von ein paar wildgewordenen Kultusministern diktieren lassen, welchen Regeln ich dabei folgen soll? Rechtschreibung ist somit ein zutiefst demokratischer Prozeß, ich werde mich weiterhin der neuen Regelung strikt verweigern. Und ich werde weiterhin dafür sein, daß in diesem Land sinnvolle Reformen angefaßt werden.
— Johannes 7.08.04 #
Die haben jetzt ein thema gewählt bei dem sowieso ne breite masse zustimmt.
Hätte es gehießen, “Wir erklären der schweiz den krieg”, “Wir schaffen das grundgesetz ab” oder ähnlich absurdes würde wohl kaum einer hura schreien.
Zum thema beifall. Ich klatsch dieser aktion nich beifall, weil das alle machen, sondern weil ich seit einführung der reform meine meinung dazu hab und jetzt endlich auch gruppen die gleiche meinung dazu äußern, die auch gehört werden. Diejenigen, die das glück haben nich direkt von der neuen rechtschreibung betroffen zu sein oder sich freiwillig dafür entscheiden, können leicht den kopf schütteln und sagen “was soll der affentanz”. Wer sich aber nich wehren kann, weil ihm der arbeitgeber oder der staat vorschreibt die neue zu verwenden, der kriegt da schnell zustände, wie johannes schon angedeutet hat. Ich mußte das anfangs selbst noch als schüler erleben und auch wenn da die alte rechtschreibung “nur” angestrichen, aber nicht als falsch gewertet wurde, war es extrem unschön, verwirrend und unverständlich, plötzlich sachen angestrichen zu kriegen, die man jahrelang als richtig eingetrichtert bekommen hat. Wie es denen geht, die daraus nachteile in form von schlechten noten oder nem anschiß vom vorgesetzten kriegen, will ich mir garnich vorstellen müssen.
— Mark 7.08.04 #
Wenn aber ein so alter Hut wieder aus der Klamottenkiste geholt wird, geht das über meinen Horizont.
Vielleicht sollten wir in den Schulen wieder Süterlin als Lernhilfe einführen? Immerhin ist die Süterlinschrift an den Schulen während der NS-Zeit abgeschafft worden. Wäre es politisch nicht viel korrekter, gegen diese Reform zu wettern?
Mir ist es völlig schnuppe wie jemand schreibt, wenn ich es nur einfach lesen kann. Rechtschreibung, ob alt oder neu, überfordert so und so die Meisten, aber wer viel schreibt und Wert darauf legt, seinen Lesern das Lesen so einfach wie möglich zu machen, kommt auch mit der neuen Rechtschreibung klar.
Ich denke wie Ralf: Hier geht es um einen kleinen Machtkampf, heiß und populistisch mitten im tiefen Sommerloch.
— Ulrike Häßler 8.08.04 #
Presseunternehmen prägen die Schriftsprache schon immer, und nicht nur in unserem Lande. Ich erinnere auch daran, daß namhafte Autoren sowie der Suhrkamp-Verlag – auch nicht gerade ein publizistischer Zwerg – die neue Rechtschreibung seit Jahren ablehnen. Wenn man nun meint, die hätten in sachen Sprachentwicklung alle nichts zu sagen, dann ist das kein demokratischer, sondern ein obrigkeitsstaatlicher Standpunkt, der im übrigen an der gängigen Praxis vorbeigeht.
Warum soll es eigentlich naiv sein, die Entscheidung von Springer und Spiegel nicht nur auf einen Machtkampf zurückzuführen? Ist die zynischste Interpretation immer automatisch die richtige? Was sollte den Verlagen so ein Machtkampf eigentlich bringen?
»Genauso gut könnten die Arbeitslosen beschließen, die Hartz IV-”Reform” zu ignorieren und zur alten Regelung zurück zu kehren.«
Wenn sie nur die Macht dazu hätten – das wäre wunderbar.
— Sebastian 9.08.04 #
— Sulpiz Delhaye 10.08.04 #
— Klaus 10.08.04 #
— Ralf 11.08.04 #