das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.
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In der Aufregung des Wochenendes um Bundesliga-Start und nofollow ist eine Meldung untergegangen, die eine angemessene Würdigung verdient, da sie wunderbar zeigt welch’ Geistes Kind man in so mancher Partei ist und mal wieder der Erkenntnis Bahn bricht, dass Rot-Grün gar nicht so schlecht regieren kann, als dass eine Regierung mit Beteiligung der FDP auch nur eine denkbare Alternative wäre.
Daniel Bahr, FDP-Bundestagsabgeordneter und 28-jähriger kinderloser Jungschnösel, las aufmerksam die PISA-Studie und rezipierte die Erkenntnis, dass in Deutschland, so stark wie in kaum einem anderen Industrieland, der Bildungserfolg der Kinder von Einkommen und Bildungsniveau der Eltern abhängt. Nun könnte man, als Politiker, zu der naheliegenden Einsicht kommen, dass, da sich ja niemand aussuchen kann, in welche sozialen Umstände er oder sie hinein geboren wird, es eine Frage der Fairness und Gerechtigkeit in einem demokratischen und sozialen Gemeinwesen wäre, dagegen etwas zu tun, also das eigene politische Handeln in den Dienst der Schaffung einer Chancengleichheit und gleicher Bildungschancen für alle, unabhängig von der sozialen Herkunft, zu lenken. Aber weit gefehlt. Daniel Bahr beobachtete und stellte fest, dass in Deutschland mit dem Kinder kriegen etwas nicht stimmt (Zitat von tagesschau.de): »In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder. Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen.« Genau, so geht das nicht, dass die Unterschicht beständig vögelt und Nachwuchs schafft, und alles auf unsere Kosten, denn, so Bahr, Deutschland gebe viel Geld aus, um sozial schwachen Familien zu helfen. In Wirklichkeit fehlt es aber den Akademikerinnen am Geld. Darum müssen diese Kindermädchen von der Steuer absetzen können. Das hat viele Vorteile. Die Unterschicht findet Beschäftigung als Kindermädchen in höheren Häusern und vögelt nicht so viel, die höher gebildeten Damen können wohlgeplant und gepflegt Nachwuchs machen, und Deutschland, da es nun weniger Prollo-Kinder und mehr Akademiker-Kinder gibt, steht endlich besser da in der PISA-Studie. Genial, oder? So funktioniert Bildungs-Politik à la FDP!
Lesen: tagesschau: »In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder«
# | 25.01.05 | | Abgelegt unter Lage der Nation Seltsames
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Nichtsdestotrotz finde ich durchaus, dass es die Möglichkeit geben sollte, Ausgaben für Haushaltshilfen steuerlich abzusetzen. Dann würde nämlich nicht mehr so viel davon schwarz laufen und der Staat hätte evtl. in dem Bereich etwas mehr Geld.
— Dirk 25.01.05 #
Die erste zitierte Satz des “Jungschnösels” ist nicht nur dummdreist, sondern selbst falsch. Der zweite zeugt zwar auch nicht von Intelligenz und ist ebenso falsch, hat aber einen leider wahren Kern.
Die in der tagesschau.de wiedergegebene Aussage
..”Die Politik habe dagegen versagt, Akademiker bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu unterstützen.” ..
ist die eigentliche Kernaussage und stimmt. Für diese Aussage muß man auch nicht älter als 28 sein und mindestens 1 Kind haben. Wenn dieses Statement Grund genug ist, die mieserable Regierungsleistung von Rot/Grün zu rechtfertigen, dann gute Nacht Deutschland.
— Guntram 25.01.05 #
— dee 25.01.05 #
Familienpolitik oder Sozialdarwinismus-Light?
Ralf hat es schon kommentiert: Das FDP-Bundesvorstandsmitglied Daniel Bahr schimpft über die derzeitige Familienpolitik ...
— trenc 25.01.05 #
Die ausgekackten Korinten können also wieder eingesammelt werden, die Message dieses Postings ist angekommen. Ob aus dem Zusammenhang gerissen, oder nicht. (Aus’m Zusammenhang reißen ist sowieso intermedialer Usus, bei solchen Themen ;-))
— alp 25.01.05 #
“Es ist falsch, dass in diesem Lande die, die Kinder kriegen, sozial schwach werden.”
Und dass Politiker mit den dämlichsten Ideen auf Biegen und Brechen versuchen, Ihren Namen in die Presse zu bringen, ist ja auch nichts Neues. Daher hätte das vermutlich auch ein JuSo sagen können.
— Stephan 25.01.05 #
In der Sache halte ich es für besser, richtige Politik gegen die soziale Ungerechtigkeit in der Frage der Bildungschancen zu machen als an den Symptomen herum zu doktern.
Noch ein Nachtrag: Der Welt kann man entnehmen, dass sich die FDP um die Aussagen ihres forschen Parlamentariers ein wenig fetzt ;-)
— Ralf 25.01.05 #