das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.
E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.
Wir alle wissen ja: Nur richtige Journalisten sind durch ihre fundierte Ausbildung in der Lage, uns die Welt zu erklären und aufzupassen, dass in der demokratischen Ordnung alles seinen geregelten Gang geht. Schauen wir uns doch mal die glorreiche Ausbeute des heutigen Tages an.
Da wäre zunächst einmal ein Artikel bei der Deutschen Welle mit dem schönen Titel »Die wunderbare Welt der Photoblogger«, in dem uns Winnie Ya Otto erklärt: »Photoblog ist die englische Bezeichnung für ein Internet-Fototagebuch. Der Begriff setzt sich zusammen aus ‘photo’ (englisch für Foto), ‘b’ (Abkürzung für web) und ‘log’ (für Buch). Ein Photoblog ist also eine Variante des Weblogs, bei der die Darstellung von Fotografien im Vordergrund steht.« Wer hätte das gedacht? ;-) Ein Weblog ist also gemäß dieser Erklärung ein Wewebbuch ... Der Artikel schlug übrigens schon lange vor seiner Veröffentlichung Wellen in der Blogosphäre (gefunden bei Martin).
Weiter, nächstes Opus. In der Süddeutschen Zeitung erklärt ein Helmut Martin-Jung in seinem wirklich grottenschlechten Artikel »Die große Bühne der Einsamen« uns Weblogger kurzerhand zu sozial vereinsamten Psychotikern, die alle an der Grenze zur sogenannten Internet-Sucht balancieren. Und zitiert ausgerechnet jene notorische »Expertin« Gabriele Farke, die sich seinerzeit mit einem der längsten Kommentare in der Geschichte des Netzbuchs unsterblich machte. Zu der sogenannten Internet-Sucht habe ich bereits im Mai letzten Jahres alles gesagt. Bleibt noch, den Schockwellenreiter zu zitieren: »Und nach diesem Artikel braucht mir keiner mehr mit ‘journalistischen Standards’ zu kommen. Unter diese Meßlatte kommt selbst das schlechteste Weblog nicht durchgekrochen. Süddeutsche, schäme Dich…«
Und dann ist da noch jene Story beim WDR vom angeblichen C64, der im Dortmunder HBf ausgefallen war, der in Wirklichkeit ein 80286er mit dem M$-Unix Xenix war (via Hugo). Eine richtig schöne Ente!
Lasst uns also stolz sein auf unsere gut ausgebildete, professionelle und kenntnisreiche Journaille. Wenn man bedenkt, dass es sich bei den drei Artikeln um DW, die Süddeutsche und den WDR handelt (nicht um Unterschichtenfernsehen oder Bild), lässt sich das ganze Elend hinter den Zeitungs- und Webseiten, Fernsehbildern und Radiotönen erahnen. Im Grunde hat der professionelle Journalismus Konkurrenz von bloggenden Amateuren bitter nötig!
# | 17.02.05 | | Abgelegt unter WeblogTalk Welt als solche
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dieses ewige und überwiegend polemische journalisten-bashing nervt – und ist im höchsten maße unproduktiv. sorry, diese art erinnert mich eher an kindergarten.
— jo 18.02.05 #
Generell fällt mir in der Profi-Journaille auf, dass bei Themen, wo ich es beurteilen kann, in den meisten Artikeln und Beiträgen bis an die Grenze zum Falschen simplifiziert wird, und ich glaube auch nicht, dass jeder Artikel in einem “normalen” Medium zwangsläufig oberflächlich sein muß. Über die GRünde kann man spekulieren. Entweder, die Damen und Herren Journalisten wissen es auch nach Recherche nicht besser, oder sie halten ihre Leser für zu dumm, etwas zu verstehen was nicht kaputt-simplifiziert worden ist. Beides nicht gerade gut. Finde ich.
— Ralf 18.02.05 #
das zweite: simplifizieren gehört zum geschäft. journalismus hat nichts mit wissenschaftlichen aufsätzen zu tun – und das ist auch gut so (letztere liest kaum einer gerne). journalisten picken sich meist einen aspekt raus – und den vertiefen sie dann. klar, machen sie dabei auch fehler (journalisten sind auch nur menschen). ich gehe davon aus, dass dahinter zu 99% nicht absicht steht, sondern schlicht unverständnis. journalisten arbeiten oft unter zeitdruck und müssen sich in ständig neue themen einarbeiten. wenn man da an den falschen “experten” gerät, stehts anschliessend auch falsch im blatt. darf nicht sein – weiss ich – kommt aber vor. und: bei vielen einschätzungen gibt es mehr als eine meinung. wenn sich der journalist nach abwägung aller argumente für eine seite entscheidet, poltern üblicherweise sofort die anderen “scheiss artikel”. wer hat recht? es wird keiner gezwungen, sich der meinung eines autoren anzuschliessen (ich teile die einschätzung dieses blog ja auch nicht), trotzdem finde ich es wertvoll durch solche diskussionen intellektuell angeregt zu werden – und mir dann besser eine eigene meinung zu bilden. die frage ist: wäre ich dahin gekommen, wenn es den “schlechten” artikel nicht gegeben hätte?
diese art wie in blogs diskutiert wird, erinnert mich doch sehr an erstsemestler: “wer nicht meiner meinung ist, ist scheisse”, schreibt einen schlechten blog, einen miesen artikel, hauptsache dumm. dabei werden aber nie wirklich argumente diskutuert, sondern nur polemisiert. und ich denke, wenn blogger an der stelle nicht reifer werden, werden sie irgendwann auch nicht mehr ernst genommen. und das wäre schade. ich sehe nämlich durchaus grosses potenzial darin.
— jo 18.02.05 #
— leteil 18.02.05 #
Grisnende Gruesse aus Korea, weit genug weg vom deutschen Wahnsinn ;)
Nicole
— Nicole 20.02.05 #
— jo 21.02.05 #
— neri 22.02.05 #
— Mo 23.02.05 #
— Ralf 23.02.05 #