das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

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Item Nº 2458

WM 2006 - Deutschland von Blauhelmen besetzt!

Fußballweltmeisterschaften, verehrte Zielgruppe, die es bereits seit 1930 gibt, sind für alle jene, deren Freund aus Leder ist, große Feste. Man erfreut sich an brasilianischem Sturmwirbel, italienischer Taktikdisziplin, argentinischer Mittelfeldsouveränität, englischem Kick-And-Rush oder deutschem Turniermannschaftsgeist. Man berauscht sich am Wettbewerb der Besten der Welt, dramatische Schlachten auf dem Rasen ereignen sich, bis nach mehreren Wochen Gekicke der Kapitän des neuen Weltmeisters den World Cup in den Himmel reckt.
Ja, so war das einst, eigentlich schon immer. Es kamen einfach die qualifizierten Teams aus aller Welt in das Gastgeberland, buchten ein Quartier, und kickten. Und der Fan, dessen Freund aus Leder war? Der ging einfach in ein beliebiges Fachgeschäft für Sporteintrittskarten und erwarb selbige, sofern noch vorhanden. Einfach, simpel, rund. So wie der Fußball selbst.

Aber jetzt, bei der WM 2006, da ist alles. Die FIFA hat in ihrer schier grenzenlosen Gier alles verhärmt. Karten bekommt man nur in absonderlichen Internet-Auktionen, wobei man aber, inklusive Schuhgröße und Fingerabdruck, alles anzugeben hat, was man so an persönlichen Daten auf Lager hat. Da der Fan an sich aber auch nicht so blöde ist, wie man sich das bei der FIFA vorstellt, kaufte keiner Tickets für die olle Eröffnungsgala, deshalb sagte man sie ab. Immerhin, die FIFA-Herren bewiesen nicht unerhebliches komödiantisches Talent, als sie als Grund der Absage den Rasen im Olympiastadion angaben. Ne ne ne, was haben wir gelacht… Nun suchen sie fieberhaft nach einem Ersatz. Früher war auch das einfacher. Man steckte, so zwei Stunden vor dem Anpfiff des ersten Spiels, ein paar junge Leute in bunte T-Shirts und drückte ihnen Fahnen in die Hand, ließ sie ein bißchen Hüpfen, startete ein paar weiße Tauben und Luftballons und gut war’s mit dem Palaver, was im Grunde doch sowieso keiner sehen will. Muss doch machbar sein, auch in diesen Zeiten?

Und dann nörgeln, so ein FAZ-Zitat eines FIFA-Menschen, auch noch »so ein paar Hanseln« an der Sicherheit der WM-Stadien herum!

Und die Politik? Die sieht Deutschland im Notstand, dieses unser Land, mit seinem hochgerüsteten Polizei-Apparat, ist angeblich nicht in der Lage, die Sicherheit durch die Polizei zu garantieren. Darum profiliert sich der Innenminister als Verfassungsfeind, schreit nach der Bundeswehr zur Unterstützung und weicht damit ständig verbal die sehr bewusst von den legendären »Vätern des Grundgesetzes« eingeführte strike Trennung zwischen Polizei und Armee auf. fukami hat sich damit detailliert beschäftigt.

Diese wird z.B. mit dem Einsatz von Awacs-Luftaufklärern bei der WM (was übrigens auch auf Beifall der Grünen trifft) aufgeweicht. Das große Geheimnis dabei ist die Frage, was das eigentlich soll. Kommen die Hooligans aus Costa Rica oder gar böse böse Terroristen neuerdings mit einer eigenen Luftwaffe an?

Auch amüsant: Deutsche Polizisten dürfen bei der WM keinen 3-Tage-Bart tragen. Es scheint, die Irren haben endgültig das Regiment über Deutschland übernommen.

Da Deutschland offensichtlich zu klein ist, um eine Fußball-WM ohne Sicherheitsprobleme durchführen zu können, schlage ich vor: Jedes qualifizierte Land muss ein Kontingent von 1.000 Polizisten stellen. Diese werden dann unter der Flagge der UN mit blauen Helmen in Deutschland eingesetzt, damit die Herren Schäuble, Schily, Wiefelspütz und Konsorten ruhig schlafen können. Und während die Blauhelme auf Deutschland aufpassen, die Polizisten sich zweimal täglich rasieren, und in der »Arena Auf Schalke« langsam das amerikanische FIFA-Bier ausgeht, kreisen einsam wachend die Awacs über das irre Land, in dem eigentlich nur ein bißchen Fußball gespielt werden sollte…

  1. Die schwarz/rote Regierung sorgt für Umsatz in den Friseurläden und bei den Blauhelm – Herstellern. Was kosten eigentlich 32.000 blaue Mützen?
    — Helmut    15.01.06    #
  2. Gute Frage! Wahrscheinlich wird die Produktion dann in die Türkei vergeben, damit die auch etwas von der WM haben außer einer Platzsperre, hö hö hö...
    Ralf    15.01.06    #
  3. Nun, reaktionäre Starrköpfe auf Innenministerposten dürften diese sportähnliche Werbegroßveranstaltung im Sommer tatsächlich als geeignete Plattform zur weiteren schadlosen Aufweichung unseres Grundgesetzes ansehen.
    Wenn dieser gemeine Verfassungs-Damm doch erstmal gebrochen werden kann, der verhindert, dass man das Militär als willfährige Polizei missbrauchen darf…

    Wir, die Bevölkerung nebst Medien nehmen ja offenbar inzwischen alles hin und beruhigen sich mit verlogenen Tele-Novelas und Pseudo-Dokusoaps…

    Wir würden wohl auch ohne zu klagen eine Feier-befreite Fußball-WM im militärischen Sicherheitskorsett akzeptieren.
    Boris    16.01.06    #
  4. Dreitagebart ist im Rasterindex ein Indiz für Gewaltbereitschaft.
    Jens    16.01.06    #
  5. Könnte man denn bei dieser WM nicht einfach auf die Fußballspiele verzichten? Ich meine, die sind schließlich die Ursache für diese ganzen Sicherheitsprobleme. –

    Hm, obwohl – lieber nicht.
    tombo    18.01.06    #

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