das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.
E-Mail: ralle (at) das-netzbuch.de. Jabber: leralle@jabber.ccc.de.
Das war sie also, die Fußball-WM 2006. Heute abend wird Frankreich durch einen Freistoß von Zidane zum zweiten Mal nach 1998 Fußball-Weltmeister. Gut, nicht ganz nach meinen Prognosen, aber die »älteren Herren« aus Frankreich hatte wahrlich niemand auf der Rechnung. Ansonsten waren die Prognosen aber so falsch nicht! ;-)
Und das deutsche Team? Ganz großartig, einfach großartig! Man reibt sich verwundert die Augen, was los ist. Spiele der deutschen Mannschaft waren die unterhaltsamen. Keine »deutsche Tugenden«, sondern Spielwitz, aggressives Mittelfeld-Spiel und blitzschnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff werden praktiziert. Der seit Jahrzehnten übliche typische »Länderspiel-Trab« durch die Breite des Mittelfelds hat ausgedient. Und sogar Olli Kahn kommt plötzlich menschlich-sympathisch rüber, Kreti und Pleti interessieren sich neuerdings für Fußball – schon atemberaubend, was Klinsmann und seine Mannen ausgelöst haben. Ich ziehe meinen Hut vor Jürgen Klinsmann und dem deutschen Team, das war weltmeisterlich!
Und, neuerdings hat das deutsche Team sogar Perspektive, junge deutsche Spieler, die noch locker zwei oder drei weitere WM-Turniere spielen können. Das sollte in der Liga ein Zeichen setzen: Geduld mit deutschen Nachwuchskickern ist vielversprechender als ständig irgendwo in der Welt vermeintliche Stars einzukaufen – vielleicht kommen die Gladbachs und Herthas und Wolfsburgs (und wie sie alle heißen) dieser Liga auch einmal darauf…
Nun schaut die Nation gebannt auf die Entscheidung von Jürgen Klinsmann. Ich glaube, dass er aufhören wird. Das war ein Projekt, die WM im eigenen Land. Bald kommt der Alltag, mühsame Unentschieden in der EM-Quali gegen Irland und solche Dinge, da verblasst der Glanz und die Kritikaster-Funktionäre sowie altkluge Alt-Nationalspieler (ganz schlimm, der schlimmste: Paul Breitner, ich bin für lebenslanges TV-Verbot) bekommen wieder Oberwasser.
Und dann kommen Sammer (der neuerdings vor lauter Gier auf DFB-Ämter handzahm gegenüber Journalisten geworden ist, unglaublich), Hitzfeld (der schon bei Bayern seinen Hang zu uninspiriertem Langweiler-Fußball nachdrücklich unter Beweis gestellt hat) oder gar Daum aka Der Lautsprecher, und vorbei ist die Herrlichkeit. Darum müssen wir nun alle hoffen, das Klinsi doch noch Lust bekommt, denn, wie Dirk mathematisch belegt, 2010 wird Deutschland zwingend Weltmeister.
So blicken wir also zufrieden auf diese Weltmeisterschaft und freuen uns, dass nach diesen vier Wochen immer mehr von sich sagen können: Mein Freund ist aus Leder.
# | 9.07.06 | | Abgelegt unter WM-2006 Rundes Leder | Tags: wm2006 fußball
|
Mehr: Im Kategorienarchiv oder im Monatsarchiv.
Ja, dazu muß die deutsche Mannschaft nur das »WM-Gesetz«, daß seit 1958 nicht mehr geschafft wurde, durchbrechen.
klick hier zum WM-Gesetz
:-) Aber wenn es jemand schafft, dann wir!!!!!
— macwoern 9.07.06 #
Das ist korrekt, deshalb hatte ich ja auch vor vier Wochen gebloggt, dass keine Südamerikaner Weltmeister werden.
Eigentlich gilt dieses Gesetz aber nur für Europa und Lateinamerika, denn es gab ja bisher nur eine WM (Japan und Südkorea), die nicht auf diesen beiden Kontinenten ausgetragen wurde. Daher ist die Datenbasis etwas dünn für Prognosen in Afrika. Da aber Südafrika eine starke deutsche Kolonie hat, ist es eher eine Heim-WM für Deutschland. ;-)
— Ralf G. 9.07.06 #
Genau, und die Zeitverschiebung hält sich auch deutlich in Grenzen. Daher kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass Deutschland das 2010 schaffen wird.
— Dirk 9.07.06 #
Der Freistoss von Zidane war ja dann doch eher ein sehr freier Kopfstoss. Freilich hat er damit das Endspiel entschieden. Der Idiot! Eine glanzvolle Karriere so hinzuschmeissen, zeugt dann eher doch davon, dass dieser Mann kein grosser Spieler ist und war.
Ärgerlich war´s trotzdem. Denn die von Dir so “geliebten” Azzuri wollte ich dann doch nicht als Weltmeister sehen.
Im Übrigen: Was die von Dir bemängelte Hinwendung zu talentierten Nachwuchsspielern betrifft, möchte ich – zumindest was “meinen” Verein Hertha BSC betrifft – hiermit ausdrücklich empfehlen, mal einen Blick in den Kader der Mannschaft, die herausragende Nachwuchsarbeit und die Philosophie eines Falko Götz zu werfen.
— andI611 10.07.06 #
Diese Zuwendung zur Jugend bei Hertha ist aber eher neu, früher hatte gerade Hertha doch ein Faible für Südamerikaner mit Haaren… ;-)
— Ralf G. 10.07.06 #
Ja, ja – er kann´s nicht lassen…;-)
So neu ist das echt nicht. Die Hertha-Fussball-Akademie gibt es schon seit 2001. Dort wird seit dieser Zeit ein modernes Konzept verfolgt. Die Nachwuchsmannschaften haben durchaus beachtliche Erfolge vorzuweisen, was sicherlich dem Konzept, den hervorragenden infrastrukturellen Bedingungen und natürlich auch dem riesigen Einzugs- und damit Rekrutierungsbereich um und in Berlin zuzuschreiben ist. Ich darf das sagen: ich bin schließlich ausgebildeter Fussball-Übungsleiter…;-)) Und nicht zuletzt stehen im aktuellen Bundesligakader 14 Spieler, die 23 Jahre und jünger sind. 8 davon sind sogar 21 und darunter. Haare haben die übrigens auch.
— andI 11.07.06 #