das Netzbuch

das Netzbuch war von Mai 2002 bis November 2006 das Weblog von Ralf G.
Seit Dezember 2006 bloggt er auf uninformation.org.

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Item Nº 921

Latenter Antisemitismus in Deutschland

Einen sehr guten Artikel über den anläßlich der sogenannten "Friedman-Affäre" grassierenden unterschwelligen Antisemitismus in Deutschland hat Jens geschrieben:

»Antisemitismus ist die negative, verzeichnende Darstellung von Juden, sowohl Allgemein wie auch von Einzelpersonen, wobei beides sich bedingt: Die Negativkraft der Bezeichnung "Jude" wird durch allgemeine Klischees [...] genährt. [...] Diese Negativwertung kann danach benutzt werden, um einzelnen Personen (wie nun z.B. Michel Friedman) die geballte diskriminierende Kraft dieses Begriffs anzuhängen, indem man lediglich immer wieder erwähnen muss, dass er Jude ist. Das ist im Prinzip die Wirkungsweise des Antisemitismus: Nicht die direkte Kritik an einer repressiven Politik in Israel ist daher das, was vor einem Jahr als antisemitisch bezeichnet wurde. Antisemiten versuchen aber natürlich, genau diesen Eindruck zu erwecken, um wieder das nächste Klischee zu bedienen (Beherrschung der Medien), was ihnen leider sehr leicht fällt, denn es gibt so viele Klischees, dass man jederzeit auf ein anderes zurückgreifen kann.«

Ergänzend möchte ich noch anmerken dass wir in Deutschland ein ganz besonderes Phänomen haben: Den Antisemitismus ohne Juden, denn in Deutschland gibt es ja nicht mehr viele, dafür hat die Generation unserer (Ur-(Ur-))Großeltern effektiv gesorgt. Man kann den Moderator Friedman mögen oder auch nicht, aber dieses Maß an Häme hat nicht nur etwas mit seiner Person und seinem etwas eigenwilligen Stil zu tun, sondern mit der unterschwelligen Freude dass es mal "einen von denen" erwischt hat.

  1. Wir haben in Deutschland noch ein typisches Phänomen: jede Kritik (o.ä.) an Ausländern wird als Feindlichkeit gegen diese gewertet. Versteht mich nicht falsch - ich bin gegen Ausländerfeindlichkeit. Trotzdem hat - meiner Meinung nach - die Sache mit Friedman nichts mit Antisemitismus oder Ausländerfeindlichkeit zu tun - bei Daum war es ja fast das Selbe. Was Einzelne daraus machen, ist die andere Frage.
    FProg    21.06.03    #
  2. Fprog, das sehe ich anders. Gerade was man so hört wenn man dem "Volk aufs Maul schaut" klingt latent antisemitisch. Dass Du Friedman als "Ausländer" bezeichnest, eher unbewusst, ist ja eine implizite Bestätigung meiner These. Der Mann ist Deutscher und lebt in Hessen wie ich, Judentum ist eine Religion wie jede andere, keine Staatsangehörigkeit.
    ralle    21.06.03    #
  3. "Ausländer" war nicht auf den Spezialfall Friedman zugeschnitten - ich meinte das Allgemein. Sorry, wenn ich das nicht so ausgedrückt habe. Nun, das viele Leute so denken, das sehe ich auch so. - Auch hier sollte man jedoch eine gesunde Portion Nationalbewusstsein nicht mit Feindlichkeit verwechseln - die Grenze wird aber durchaus oft überschritten.
    FProg    21.06.03    #
  4. Gesundes Nationalbewusstsein? Sorry, aber sowas gibts nicht. Nationalbewusstsein ist per Definition mit einer Trennung zwischen "wir" und "die anderen" verbunden - und das gekoppelt an eine eher willkürliche Verbindung von Staatsgrenzen. Das ist für mich eher eine Zweckgemeinschaft, man zahlt halt gemeinsam Steuern und erträgt das die blöden Bayern die CSU wählen. Allerdings bin ich schon der Meinung das man gegen Friedmann sein kann, ohne Antisemit zu sein, weil der Kerl in seinem Auftreten einfach unerträglich arrogant rüber kommt. Es stimmt allerdings das die ständige Erwähnung der Religion im negativen Kontext als ein deutliches Zeichen für Antisemitismus gedeutet werden kann - wenn nicht Friedmanns sehr exponierte Stellung als stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde wäre. Vertrackte Situation.
    Georg Bauer    21.06.03    #
  5. Was der Fall Friedman mit Antisemitismus zu tun hat erschließt sich mir nicht so ganz. Letztlich sind wir doch alle (hoffentlich) vor dem Gesetz gleich und Herrn Friedman sollte weder ein Geschichts- noch ein Promibonus gewährt werden. Koksen ist halt Koksen und es ändert auch nichts daran das er irgendeiner bestimmten Religion angehört.
    Joern    22.06.03    #
  6. Joern, die Sache selbst nichts, die Wahrnehmung, besonders wenn man mal "dem Mann auf der Straße" zuhört, aber schon.
    ralle    22.06.03    #
  7. Georg, in Deutschland gibt es kein gesundes Nationalbewusstsein, weil sowas gleich überwertet wird. Warst du schon mal in anderen Ländern? Da sind die oft stolz auf ihr Land, hissen auch schon mal ihre Flagge (Vergleich Deutschland???), und wenn mal jemand etwas eher negatives über Ausländer oder Leute anderer Religionen sagt (ich meine damit also nicht Beschimpfung oder so!!!) wird er auch nicht gleich als Rechter hingestellt. Das ist das, was ich meine.
    FProg    22.06.03    #
  8. Zu: "... dieses Maß an Häme hat ... zu tun, ... mit der unterschwelligen Freude dass es mal “einen von denen” erwischt hat." Das ist m.E. verständlich: Die Juden reden viel von einem "idealen Staat" und bekommen`s in Israel selbst nicht gebacken. Wenn dann einer der Vorführ-Idealisten den Beweis antritt, wie praxisfremd der Jüdische Idealismus ist, halts ich die Häme durchaus für nachvollziehbar.
    Schlaudenker.de    30.06.03    #
  9. Soso, reden sie davon, die Juden. Und "ihren" Staat kriegen sie nicht gebacken, "die Juden". Ich wusste gar nicht, dass Friedman Israeli ist. Oder "die Juden" überhaupt. Immerhin sind sie ja Deiner Meinung nach zumindenst mal keine Deutschen, "die Juden".
    Jens    11.07.03    #

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